MIG-29

Edge of Space oder die Erfüllung eines Jugendtraumes

Mit der MIG-29 zum 'Edge of Space' Im Frühling 2009 nahm ich zum ersten Mal mit Andreas Bergweiler Kontakt auf. Ich war der Meinung, dass ich mit 53 Jahren nun lange genug mit der Umsetzung meines Jugendtraumes gewartet hatte. Es passte auch gerade in die Veränderung, welche ich privat durchgemacht hatte. Ganz nach dem Motto “Jetzt oder nie!” sollte das Abenteuer meines Lebens stattfinden. Doch ganz so einfach hatte es Andreas nicht mit mir: in meinem Kopf war einerseits der Wunsch “es” anzupacken, doch andererseits auch eine gewisse Unsicherheit, da ich mich nie mit der Fliegerei beschäftigt hatte und keine Ahnung hatte, was da auf mich zukommen wird.

Nach diversen Mails und einem inzwischen abgeheilten Rippenbruch machte ich im November dann endlich “Nägel mit Köpfen” und habe den Flug gebucht! Die Vorfreude gepaart mit einer Portion Unsicherheit durfte nun 3 Monate dauern…

Mit der professionellen Unterstützung von Andreas Bergweiler wurden der obligatorische Arztcheck, die Visumbeschaffung und weitere Vorbereitungen problemlos gemeistert.

Dann Wochen später startete die Swiss-Maschine Richtung Moskau, und nach einem Tag in der Metropole fuhren meine persönliche Reiseführerin Natalia und ich mit dem Zug nach Nizhny Novgorod. Wir wurden dort von Oleg Fedorov (Business Director Sokol Airbase) persönlich abgeholt und mit dem Privatwagen ins Hotel gebracht, wo noch ein kurzes Briefing abgehalten worden ist für den nächsten Tag. Natalia und Oleg verabschiedeten sich und ich ging mit gemischten Gefühlen ins Bett.

Am 01.03.2010 war es soweit: Nach einem leichten Frühstuck (um den Magen zu schonen...) wurde ich von Irina abgeholt und zur Sokol Airbase gebracht. Nach der Sicherheitskontrolle begann die Nervosität zu steigen: was erwartet mich in den nächsten Stunden? Zusammen mit dem Piloten habe ich das Flugprogramm besprochen und da mein Ziel ganz klar Edge of Space war, verzichtete ich auf die verschiedenen Akrobatikmanöver, da ich auch nicht wusste, wie mein Magen reagieren würde…

Beim Check-up durch den Arzt war mein Puls und Blutdruck deutlich erhöht, die Nervosität ließ sich nun nicht mehr verbergen! Nach dem Einkleiden in einen Spezialanzug für den "Edge of Space" Flug wurden wir zum Rollfeld gefahren, wo unsere Maschine, die MIG-29, bereitstand. Yuri der Pilot erklärte mir die Instrumente, nachdem ich den Jet über eine Leiter bestiegen hatte. Ich wurde angeschnallt und nun war es Zeit, das geübte Aufsetzen der Sauerstoffmaske in die Tat umzusetzen. Das Cockpit wurde geschlossen und die Systeme kontrolliert. Der ohrenbetäubende Lärm der Triebwerke war unter dem Helm kaum zu hören. Und dann ging es los auf die Piste. Vor dem Start wollte Yuri wissen "Martin, ready for take off?" und nach meinem "Yes I am ready " startete die MIG-29 durch und schon nach wenigen Sekunden waren wir in der Luft. Mit einer scharfen Rechtskurve wurde mein Magen gleich getestet...

Danach folgte ein überraschend ruhiger Flug auf eine Höhe von 10.000 Meter mit einer traumhaften Aussicht. "Martin, take control" von Yuri und ich durfte die MIG-29 selbst steuern. Sie reagierte auf die feinsten Bewegungen nach rechts und links. Ein spezielles Erlebnis, einen russischen Kampfjet steuern zu dürfen (Danke an Yuri für das Vertrauen). Yuri hat dann die Kontrolle wieder übernommen und beschleunigt, um die nächsten 10 000 Meter in die Höhe zu steigen. In wenigen Sekunden stiegen wir Kilometer um Kilometer bis wir die maximale Flughöhe erreicht haben: Edge of Space - 22.500m!

Der Ausblick war überwältigend: die Erde leicht gekrümmt mit einem blauen Streifen und darüber dunkle Nacht. Das kann man nicht beschreiben, aber es wird immer in Erinnerung bleiben! In diesem Moment wurde mir bewusst, wie unscheinbar klein der Mensch im Universum ist.

Nach kurzer Zeit mussten wir bereits wieder mit dem Sinkflug beginnen, da ein längerer Aufenthalt in dieser Höhe wegen der Strahlung sehr gefährlich ist. Beim Abstieg hat Yuri noch einen Angriff simuliert, danach mussten wir auf "easy flight" gehen, weil ich den Druckausgleich nicht machen konnte (die Erkältung lässt grüßen...). Yuri zeigte noch einen Überflug 15 Meter über dem Boden mit anschließendem Manöver um die G-Werte auf 4,5 zu demonstrieren - es hat mich richtiggehend in den Sitzt gedrückt. Die sanfte Landung auf der schneebedeckten Piste zeigte nochmals die besonderen Fähigkeiten meines Piloten. Die nachfolgende Diplomübergabe war ein gelungener Abschluss dieses einmaligen Abenteuers!

Der Besuch des Fliegermuseums war dann ideal um den Adrenalin-Spiegel wieder auf ein normales Niveau senken zu können. Die Geschichte der russischen Luftfahrt wurde interessant erzählt und von Irina perfekt ins Englische übersetzt. Danach war im Hotel physische und psychische Erholung angesagt bevor ich von Oleg und Sergey zum Nachtessen abgeholt worden bin. Dort konnte ich meine Eindrücke nochmals bekannt geben und den Tag gemütlich bei Wodka und Kaviar ausklingen lassen.

Ein großes Dankeschön gebührt Andreas: du hast mir geholfen, meinen Lebenstraum in die Tat umsetzen zu können!

PS: Als ich mit meiner Freundin zusammen den Flug auf der erstellten DVD nochmals erleben durfte, machte sie mich darauf aufmerksam, dass ich sogar eine Rolle geflogen bin - ich selbst hatte dies auch während des Fluges gar nicht bemerkt…

Martin aus der Schweiz - Edge of Space Flight